Kammermitteilungen 4/2025

Berichte und Bekanntmachungen Praktika als Schlüssel zur Nachwuchssicherung in Kanzleien Fachkräftemangel im juristischen Bereich: Ein Blick nach Mönchengladbach Im Landgerichtsbezirk Mönchengladbach listen Online-Portale bis zu 442 zugelassene Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte. Doch beim Ausbildungsengagement zeigt sich ein ernüchterndes Bild: Für das Ausbildungsjahr 2025/2026 waren noch nicht einmal eine Handvoll der Kanzleien aktiv mit dem Angebot von Ausbildungsplätzen zur/zum Rechtsanwaltsfachangestellten vertreten. Das Missverhältnis ist symptomatisch für einen bundesweiten Trend. Laut beck-aktuell hat sich die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse zur/ zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten in den letzten 20 Jahren mehr als halbiert. Dabei sind Fachkräfte nach wie vor unverzichtbar für die Funktionsfähigkeit von Kanzleien. Auch wenn sich Arbeitsprozesse voraussichtlich künftig durch den Einsatz von KITools verändern werden – menschliche Kompetenzen wie Empathie und Kommunikationsfähigkeit sowie rechtliches Fachwissen in Kombination mit eigenen Erfahrungswerten aus der Praxis bleiben unverzichtbar. Als geprüfte Rechtsfachwirtin, Bildungswissenschaftlerin, langjährige Kanzleimitarbeiterin und nebenberufliche Lehrkraft an einem Berufskolleg verknüpfe ich tiefgreifende Einblicke in die juristische Praxis, die betriebliche Ausbildung und den Berufsschulunterricht. Aus dieser Perspektive reflektiere ich die Möglichkeiten, junge Menschen für eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten zu gewinnen – und warum Praktika dabei eine entscheidende Rolle spielen können. Sichtbarkeit entscheidet: Ohne Ausbildungsangebote kein Nachwuchs Viele Schulabgänger*innen informieren sich heute online. Fehlen dort Ausbildungsangebote, bleibt das Berufsbild unsichtbar. Wer keine Stellen ausschreibt, riskiert, von potenziellen Bewerber*innen gar nicht erst wahrgenommen zu werden. Einige Kanzleien verzichten bewusst auf Ausschreibungen, möglicherweise aufgrund negativer Erfahrungen oder aus Sorge vor zusätzlichem (Betreuungs-) Aufwand. An dieser Stelle können Praktika ein Türöffner sein. Praktika als effiziente Rekrutierungsstrategie Praktika sind mehr als ein bloßes „Schnuppern“: ) Sie reduzieren das Risiko von Fehlentscheidungen auf beiden Seiten ) Sie ermöglichen Kanzleien, Motivation und Fähigkeiten realistisch einzuschätzen ) Sie binden Interessent*innen frühzeitig an den Betrieb Ein Praxisbeispiel: Drei Praktikant*innen – vermittelt über ein Berufsbildungszentrum – verbrachten nacheinander jeweils 3–4 Stunden an sechs Tagen in unserer Kanzlei. Zwei von ihnen hatten den Beruf zuvor gar nicht in Betracht gezogen, da er ihnen gänzlich unbekannt war. Durch praxisnahe Aufgaben und Einblicke in den Alltag entstand echtes Interesse an der Ausbildung. Der zeitliche Aufwand für die Kanzlei blieb überschaubar. Ein kompaktes, klar strukturiertes Praktikum kann wertvolle Effekte erzielen, ohne den Arbeitsalltag wesentlich zu belasten. Am Ende signalisierten alle drei Praktikant*innen Interesse an einer Ausbildung. Zwei von ihnen schlossen im Anschluss an das Praktikum einen Ausbildungsvertrag mit unserer Kanzlei. Das Format überzeugte uns: Es erfordert aus Sicht der Kanzlei einen geringen Aufwand, der den Arbeitsalltag nicht nachhaltig beeinträchtigt und es vermittelt aus Sicht der Praktikant*innen realistische Eindrücke. Eine gezielte Nachwuchsbindung wird ermöglicht. Investition statt Belastung Ja, es stimmt: Praktika kosten Zeit. Diese Zeit sollte als Investition verstanden werden. Kanzleien profitieren gleich mehrfach: ) Nachwuchssicherung: Praktika wecken Interesse und schaffen Bindung ) Qualitätssteigerung: Mitarbeitende entwickeln ihre Fähigkeit, Wissen zu vermitteln ) Reputation: Ausbildungsbereite Kanzleien positionieren sich als moderne, zukunftsorientierte Arbeitgeber 104 KammerMitteilungen RAK Düsseldorf 4/2025

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